auswendig spielen und improvisieren

Viele Menschen, die ein Musikinstrument spielen lernen, üben zuerst die Zuordnung der Noten zu den

Griffen auf dem Instrument sowie die Methodik der zugehörigen Tonerzeugung. Neben dem Spiel

nach Noten sollte man sich aber auch weitergehend mit seinem Instrument beschäftigen und alle

spielbaren Töne vor dem geistigen Auge haben. Dazu zählt die Erziehung zu der Anschauung, daß

eine Oktave 12 gleichberechtigte Halbtöne besitzt. Eine wichtige Übung hierzu ist das Abspielen der

chromatischen Tonleiter über den ganzen Tonumfang des Instruments von unten nach oben und

umgekehrt. Sollte das von dem Ansatz oder von der Atemluft her Schwierigkeiten bereiten, teilt man

den Tonumfang in einzelne sich überlappende Bereiche auf und übt diese vorerst getrennt.

Die nächste Übung ist das Spielen von Kinder- und Volksliedern eigener Wahl in C-, F- und G-Dur

bei Instrumenten, deren Noten im Violinenschlüssel stehen (oder für C-Instrumente im Bassschlüssel)

bzw. in B-, Es- und F-Dur bei B-Instrumenten, deren Noten im Baßschlüssel stehen. Einzelne Lieder

in Moll kann man am besten in gleichbezeichneten Moll-Tonarten  (C-, F- und G-Moll im

Violinenschlüssel) oder in Molltonarten mit den gleichen Vorzeichen (A-, D- und E-Moll im

Violinenschlüssel) spielen.

Auswendig spielen kann man alle Lieder, die man auch singen könnte, d. h. die man vollständig im

Gedächtnis hat. Dabei übt man die Fähigkeit, auf dem Instrument den jeweils nächsten Ton voraus

zu wissen. Man hört ihn im Geiste voraus und ordnet ihn nach dem Gedächtnis dem richtigen Griff zu.

So greift man die richtigen Töne. Das geht soweit, daß man auch beim Tonartwechsel in den Noten

automatisch die richtigen Halbtöne spielt, auch wenn man den Vorzeichenwechsel übersehen hat oder

dieser falsch geschrieben wurde. Mit der Zeit hat man Tönhöhe und Klangfarbe (sowie Lippenstellung

bei Blasinstrumenten) so im Gedächtnis, daß man auch nach einer längeren Spielpause den richtigen

Anfangston trifft. Die vorstehend beschriebenen Eigenschaften stellen das Ziel der Übungen dar.

Schwieriger ist es, beim Zusammenspiel mit anderen Musikern eine zweite oder dritte Stimme bzw.

eine Baßbegleitung zu erfinden. Dazu ist eine gewisse Erfahrung nötig, die man auf dem Akkordeon

(wegen der Baßakkordknöpfe links und den Akkordgriffen rechts), auf der Gitarre, der Zither  aber

auch beim Chorgesang erwerben kann. Dort muß man sich mit den Harmoniewechseln im Verlauf

der Melodie auseinandersetzen bis das Heraushören und Berücksichtigen der Wechsel fast

automatisch geht.  Beim Akkordeon sind die Tasten für die Begleitakkorde  nach dem Quintenzirkel

(oder der Quintenspirale je nach Darstellungsform) angeordnet. Jeder der Buchstaben des

Quintenzirkels bezeichnet eine Tonart. Bei einem einfachen Lied steht in Uhrzeigerrichtung daneben

der Dominantseptakkord (z.B. bei C-Dur G7) und in Gegenzeigerrichtung der Subdominantakkord

(auch Subdominante genannt – bei C-Dur F). Handelt es sich um eine Moll-Tonart, ist der

Subdominantakkord auch ein Moll-Akkord. Der Dominantseptakkord bleibt ein Dur-Akkord.

Bei komplizierteren Melodien gibt es auch Harmoniesprünge in Uhrzeigerrichtung. In der Regel führt

die Harmoniefolge stufenweise  zur Grundtonart (Tonika) zurück. Ausschlußgesetze gibt es hier nicht.

Es ist alles möglich, was der Darstellungsabsicht des Komponisten entspricht. Für das

Auswendigspielen in einer bestimmtem Tonart ist es sehr von Vorteil, wenn man die drei Töne des

Akkordes, der zu diesem Teil der Melodie gehört, (bei C-Dur c, e, g ; bei C-Moll c, es, g; bei

F-Dur f, a, c; bei F-Moll f, as, c und bei G7 g, h, d, f) vor dem geistigen Auge hat und auf das

Instrument projiziert. Man kann sich dabei auch eine Klaviertastatur vorstellen. Beim Improvisieren

kann man sich im einfachsten Falle an den Tönen des Dreiklangs „festhalten“. Auf jeden betonten

Schlag im Takt sollte ein Ton des Akkordes erklingen. Für Dixieland sind deshalb taktweise

aufgeschriebene Harmoniefolgen (z.B. acht oder zwölf Takte pro Zeile) wichtiger als eine in Noten

aufgeschriebene Melodie. In Bigband-Kompositionen machen Akkorde mit 4 und 5 verschiedenen

Tönen das Klangbild farbiger, reizvoller und interessanter. In gewissem Sinne schematisch werden

diese Akkorde vom Klavier und von der Gitarre benutzt. Spieler von Melodieinstrumenten, die nur

monofon gespielt werden, hören diese Töne als Charakteristika der Melodie und setzen diese nach

Bedarf mit ein. Eine Besonderheit stellen die Akkorde dar, die aus kleinen Terzen bestehen

(z.B. C° : c, es, ges, a ). Jeder dieser Töne kann der Grundton sein. Diese Akkorde gehören

zusammen mit denen mit erhöhter Quinte (z.B. C5+ : c, e, gis) zu den Überleitungsakkorden. Über

die Theorie der Akkorde mehr zu wissen, ist für das Improvisieren im Anfangsstadium nicht

erforderlich. Am Anfang ist für die Improvisationsversuche die Begleitung durch ein Tasteninstrument

oder eine Gitarre (Banjo) günstig. So verliert man nicht so leicht den Überblick über die

Harmoniefolge. Auch ist es für Übungszwecke möglich, auf dem Computer eine Begleitung zu

speichern oder zu erzeugen und diese auf eine CD zu brennen. Auf der Flöte und dem Saxophon ist

die Improvisation durch „Läufe“, Sprünge, Triolen und Triller charakterisiert, während auf der

Posaune mehr Tonübergänge und Synkopen eingesetzt werden. Die Tuba braucht sich im Solo

mit melodiösen Bögen nicht zu verstecken. Prinzipiell kann man auf allen Musikinstrumenten die

Melodie variieren, d. h improvisieren. Natürlich sind die Variation auf dem Schlagzeug rhythmischer

Natur mit Wirbeln, Synkopen und anderen Effekten.

 

Der Quintenzirkel