Die Benutzer moderner automatischer Kameras sind verwöhnt. Sie machen sich keine Gedanken mehr über Blendenwerte und Verschlußzeiten. Es ist aber ein interessantes Hobby, alte Kameras zu reinigen, zu ölen und auszuprobieren. Nachfolgend sind einige Gedanken aus der Erinnerung aufgezeichnet.

 

Die Bedienung der klassischen Kleinbildkamera

(z. B. Altix, Praktika, Zenit, Werra......)

Elemente:

Kamerakörper mit Filmtransport (manuell),

Verschluß  (u.U. manuell spannen) und

Sucher

Objektiv mit Entfernungseinstellung und Blende

Kleinbildfilm Format 24x36 mm (36 Bilder oder weniger)  oder 24x24 mm  (ca.48 Bilder)

 

Kamerakörper (Spiegelreflexkamera)

 

Der Kamerakörper wird geöffnet und der Film eingelegt. Es muß darauf geachtet werden, daß der Film nach dem Schließen der Kamera auch transportiert wird. Ein Zahnrad, das in die Perforation eingreift, kontrolliert den Bildabstand und die Bildanzahl. Nach jeder Aufnahme müssen der Film mit einem Hebel transportiert und der Verschluß gespannt werden. Oft ist das Spannen des Verschlusses mit dem Filmtransport gekoppelt. An der Kamera wird die Filmempfindlichkeit (oft nur als Gedächtnisstütze) eingestellt und das Bildzählwerk auf Null gedreht. Für Aufnahmen, wo auch der Fotograf mit auf dem Bild erscheinen möchte, wird der Selbstauslöser gespannt. Die gewünschte Verschlußzeit ist einzustellen. Sie reicht je nach Kamera von 2s bis 1/1000s. Ist der Film vollständig belichtet, wird er unter Drücken eines Knopfes am Boden der Kamera in die Kassette zurückgespult. Danach können die Rückwand der Kamera geöffnet und der Film gewechselt werden. Der dabei offen liegende Schlitzverschluß sollte nicht berührt werden.

 

Sucher am Kamerakörper (keine Spiegelreflexkamera)

 

Der Sportsucher besteht aus zwei aufklappbaren Rahmen ohne Optik.

Bei der Benutzung des Kamerasuchers mit Optik ist darauf zu achten, daß sich die unterschiedliche Position von Objektiv und Sucher an der Kamera bei nahen Objekten auswirkt. Der Sucher zeigt einen höheren Bildausschnitt als der, der vom Objektiv erfaßt wird.

 

Objektiv (Wechselobjektiv)

Entfernungsmessung

 

An dem Objektiv wird nach einer Skala die Entfernung eingestellt.

Bei einfachen Kameras muß man die Entfernung im Bereich von 50cm bis ca.15m messen oder schätzen. Darüberhinaus stellt man die Entfernung oo ein.

An den meisten Objektiven ist der Schärfentiefenbereich in Abhängigkeit von der gewählten Blende ablesbar. Man kann die Entfernung nun so wählen, daß alle Objekte, die scharf abgebildet werden sollen, in diesem Schärfentiefenbereich liegen. Es gibt auch Kameras, die eine Entfernungsmessung gestatten. Mit der Entfernungseinstellung müssen dort z. B. zwei Bilder im Sucher zur Deckung gebracht werden. Die Lichtintensität auf dem Film wird durch die Blende (Irisblende) eingestellt. Die Blendenwerte reichen von 1:1,4 (bei sehr guten Objektiven) bis zu 1:22 (sehr kleine Öffnung). Blendenöffnung und Verschlußzeit  bestimmen gemeinsam die chemisch wirksame Lichtmenge auf dem Film, d.h. die richtige Belichtung. Blendenwerte und Verschlußzeiten sind so abgestuft, daß die Veränderung der Lichtmenge durch eine Blendenstufe einer solchen durch eine Verschlußzeitenstufe entspricht. Muß die Verschlußzeit z.B. wegen der Bewegung des Objektes um eine Stufe verkürzt werden, kann die richtige Belichtung durch Öffnen der Blende um eine Stufe wieder erhalten werden.

 

Je nach Brennweite des Objektives müssen bei langen Belichtungszeiten ein Stativ und ein Drahtauslöser verwendet werden (Unschärfe des Bildes durch Wackeln der Kamera). Als Faustregel für Aufnahmen ohne Stativ gilt: Der Nenner der Verschlußzeit sollte zahlenmäßig größer oder gleich der Brennweite sein. Die Verschlußzeit sollte nie länger als 1/30s sein.

Es ist förderlich beim Auslösen der Kamera eine Hand, die Ellenbogen oder die Kamera selbst an einem Pfosten oder Baum seitlich oder auf einer Mauer abzustützen.

Die Einstellung B (= beliebig) wird z.B. für Nachtaufnahmen mit Stoppuhr verwendet. Stativ und Drahtauslöser sind erforderlich.

 

Das Normalobjektiv der Kleinbildkamera hat eine Brennweite von 50mm.

28 bis 35mm Brennweite haben Weitwinkelobjektive. Sie werden in Räumen verwendet, wo man zur Aufnahme großer Flächen mit dem Normalobjektiv nicht weit genug vom Objekt weg gehen kann. Achtung! Die Kamera mit dem Weitwinkelobjektiv nicht kippen! Es entstehen stürzende Linien, d.h. das Objekt wird verzerrt dargestellt. Nur mit professionellen Balgenkameras kann man durch Kippen der Kamera am Balg gegenüber dem Objektiv die stürzenden Linien wieder korrigieren. 70mm ist die Brennweite des Portrait-Objektives. Man kann „Paßbilder“ (Portraits) machen, ohne der Person zu nahe zu kommen. Mit einem optischen Strukturelement, einem Weichzeichner, kann man verhindern, daß Unebenheiten der Haut mit störender Schärfe abgebildet werden.

 

100 bis 1000mm Brennweite  (letzteres Spiegelobjektiv mit Fernrohrcharakter) haben Teleobjektive z.B. für die Aufnahme von Landschaften, Bauwerken und Wildtieren. Bei der Verwendung von Teleobjektiven ist ein Stativ sehr zu empfehlen. Bei schweren Objektiven werden diese auf dem Stativ befestigt. Die Kamera hängt dann am Objektiv. Zoomobjektive (z.B. 35 bis 200 mm) begrenzen den Objektabstand auf 3m bis oo und zeigen bei geringem Objektabstand Bildverzeichnungen. Bei der Benutzung von Zoomobjektiven an nichtautomatischen Kameras muß man die Veränderung der Blendenöffnung mit der Brennweite beachten.

 

Für Nahaufnahmen z.B. bei Insekten benutzt man das Normalobjektiv (50mm) kombiniert mit einer Brennebenenversetzungslinse oder Zwischenringen. Werden höhere Anforderung an die geometrische Abbildungstreue gestellt, benutzt man entweder ein speziell für kleine Objektabstände korrigiertes Objektiv (CZ Jena: auf 1m statt auf oo korrigiert) oder einen Umkehrring, mit dem man das Objektiv umgedreht anschrauben kann, d.h. Objektebene und Bildebene werden vertauscht.

 

 

Die Springblende gestattet, im Sucher immer mit der größten Helligkeit und der größten Genauigkeit für die Entfernungseinstellung zu arbeiten. Erst bei der Belichtungsmessung und bei der Aufnahme springt die Blende auf den eingestellten Wert.

 

Zur Orientierung:

Früher wurden mit einfachen Kameras (Verschlußzeit fest 1/25s) Filme mit einer Empfindlichkeit von ca. 15° DIN (entspricht etwa 25 ASA) verwendet. Da galt die Regel: Wenn die Sonne lacht, nimm Blende 8!  Analog wählt man bei gleicher Blende und einem Film von 100 ASA 1/125s, von 200 ASA 1/250s sowie bei 400 ASA 1/500s. Die Belichtungsmessung macht eine solche Regel überflüssig.

 

Bei voll geöffneter Blende hat man das meiste Licht aber die geringste Schärfentiefe und die größten Bildfehler durch die Eigenschaften des Objektivs. Möchte ich bei einem Portrait die Aufmerksamkeit auf die Person lenken, wähle ich eine geringe Schärfentiefe (große Blendenöffnung), damit der Hintergrund unscharf wird. Wähle ich eine kleine Blendenöffnung, habe ich wenig Licht, eine große Schärfentiefe aber eine schlechte Auflösung, weil zur Abbildung nur fast parallele Strahlen zur Wirkung kommen. Das Optimum zwischen Auflösung und Schärfentiefe liegt im Allgemeinen bei Blende 8. Man kann bei dieser Blendeneinstellung und der Entfernungseinstellung  oo auch mit den geringsten Bildfehlern rechnen.

 

Für Blitzaufnahmen stellt man die Verschlußzeit 1/30s (1/25s) ein. Der Blitz dauert aber nur 0,5 bis 2ms (1/500...1/2000s). Die Belichtung durch die natürliche Beleuchtung in der restlichen Verschlußöffnungszeit ist unerheblich. Die Intensität des Blitzgerätes wird durch dessen Leitzahl angegeben. Je nach Objektentfernung ist bei vorgegebener Filmempfindlichkeit die Blende zu wählen (siehe Tabelle auf der Rückseite des Blitzers). Blitzlicht kann bei Gegenlichtaufnahemen den Kontrast zum Hintergrund mindern, d.h. Objekte, die sonst im Vordergrund dunkel (schwarz) erscheinen, können aufgehellt werden.

 

Z. Z. hat sich der Farbfilm mit 200ASA als Universalfilm erwiesen. Filme mit 100 ASA nimmt man an tropischen Stränden und solche mit 400 ASA für Innenaufnahmen (auch mit Blitz! Der Helligkeitsunterschied zwischen der vom Blitz erleuchteten Fläche und dem Hintergrund ist dann nicht so groß). Der hochempfindliche Film hat eine gröbere Körnung, d.h. bei starken Vergrößerungen werden die Körner sichtbar. Der unempfindlichere Film hat ein feineres Korn. Man konnte vor 30 Jahren mit einer Auflösung von mindestens 80 Linien und 80 Zwischenräumen pro Millimeter bei Farbfilm rechnen. Hochauflösende Schwarz-Weiß-Filme erreichten Auflösungen von  400 Linien und Zwischenräumen pro Millimeter und mehr.

 

Abgesehen von einer künstlerischen Bildgestaltung hat es sich erwiesen, daß immer die Fotos die besten waren, bei denen das interessierende Objekt so groß wie nur möglich erfaßt wurde.

Dazu muß man meist so nahe wie möglich an das Objekt herangehen.

 

Verstaubte Tücher, die zum Einwickeln benutzt werden, sind zum Putzen der Linsen ungeeignet. Der Staub enthält harte Kristalle, die die Vergütungsschicht und auch die Glasoberfläche zerkratzen. Man kann die Oberfläche etwas anhauchen (löst klebende Teilchen und entläd elektrostatisch haftende Teilchen) und mit einem frisch gewaschenen Lappen (weich nicht fasernd) abwischen.

 

Schwach sichtbare Strukturen auf den Linsenflächen werden meist nicht abgebildet. Schmutz ist dort weniger kritisch.

 

Beim Auslösen der Spiegelreflexkamera klappt erst der Spiegel hoch. Wenn die Kamera durch diese Erschütterung nicht mehr schwingt, läuft der Schlitzverschluß ab. Bei kurzen Zeiten wird praktisch eine schmaler Spalt von links nach rechts über die Filmfläche geführt. Das kann bei schnell bewegten Objekten zu Bildverfälschungen führen. (Jede Position des Schlitzes erfaßt eine andere Phase der Bewegung des Objektes.) Für schnell ablaufende Vorgänge werden deshalb Zentralverschlüsse bevorzugt. Sie bewegen sich wie eine Irisblende nur viel schneller. Zentralverschlüsse übertragen weniger Schwingungen auf die Kamera.

 

Filter

 

Besonders bei Schwarz-Weiß-Aufnahmen wurden Farbfilter vor dem Objektiv verwendet.

UV-Filter am Strand

Gelbfilter zur Kontrastierung von Wolken

Grünfilter für Naturaufnahmen

Rotfilter bei dunstigem Wetter

u.s.w.

 

Früher wurde bei Farbfilmen zwischen Tageslicht- und Kunstlichtfilmen unterschieden. Mit einem Filter konnte man Tageslichtfilme bei Kunstlicht verwenden. Blitzlicht hat Tageslichtcharakter. Da man in Räumen mit Kunstlicht asschließlich

Blitzlicht benutzt, kann man auf einen Kunstlichtfarbfilm verzichten.

 

Belichtungsmessung

 

Ein Handbelichtungsmesser, bei dem die Filmempfindlichkeit eingestellt wurde, zeigt für Objekte in mehr als 3m Entfernung Blende und Verschlußzeit richtig an.

Bei Nahaufnahmen (5 bis 50 cm) oder Aufnahmen am Mikroskop kann man den Belichtungsmesser in der üblichen Weise nicht mehr benutzen. In diesen Fällen hält man bei einer Spiegelreflexkamera den Belichtungsmesser direkt an die Austrittslinse des Suchers. Der Belichtungsmesser ist auf den empfindlichen Meßbereich einzustellen und vorher zu eichen. Dazu mißt man bei Tageslicht und einem entfernten Objekt die richtige Belichtung und danach den Wert, der bei diesem Objekt am Sucher angezeigt wird. Daraus gewinnt man einen Korrekturfaktur, der angibt, wieviele Blendenwerte oder Verschlußzeitstufen bei der Suchermeßmethode dazuaddiert werden müssen. Mit einer Belichtungsserie überzeugt man sich von der Richtigkeit des Korekturfaktors.