Parodien verändern unsere Gewohnheiten

 

Humoristen parodieren unseren Alltag auch sprachlich. Sie erinnern sich bestimmt an die

Sprichwortverschachtelungen:

„Das schlägt dem Faß die Krone ins Gesicht.“ Oder

„Nichts desto trotz“

Redner benutzen diese Verballhornungen auch bei ernsten Anlässen oder ernsten Inhalten

ihrer Reden. Es werden aber auch Ausdrücke aus der Babysprache verwendet z. B.

„Ganz, ganz viel“. „Viel“ und „wenig“ sind unbestimmte Mengenangaben, bei denen man

weder  „ganz“ noch „halb“ numerisch definieren kann. Es gibt deshalb nur die Ausdrücke

„sehr viel“ oder „sehr wenig“.

 

Aber auch in der Unterhaltungsmusik findet man derartige Effekte. Der Tanzmusiker

Spike Johns hat mit Parodien bekannter Schlager sein Geld verdient.

http://en.wikipedia.org/wiki/Spike_Jones#Biography

Wir erinnern uns noch an seine Parodie einer Studioaufnahme von “Sixteen Tons”, wo der

Sänger dem Regisseur immer zu laut ist. Er tritt erst vom Mikrofon zurück, dann weiter bis

zur Tür, schließlich geht er ins Treppenhaus und zuletzt auf die Straße. Um wieder rechtzeitig

am Mikrofon zu sein, springt er am Schluß durch das geschlossene Fenster in den Saal.

Mit hervorragenden Musikern hat Spike Johns z. B. „Geisterreiter“ und „Tigerrag“ in

doppelter Geschwindigkeit gespielt. Viele Jazzkapellen und Bigbands haben ihm das

nachgemacht, denn es war virtuos, modern, schick und bald üblich. Niemand erinnerte

ich mehr an die Normalfassungen. Das Gleiche gilt für die Umwandlung vom „St. Louis Blues“

durch Glen Miller in einen Militärmarsch und die Verarbeitung von dem Liebeslied

„ In The Mood“ und dem Trinklied „The Little Brown Jug“ in Foxtrotts. Erst die Texte

führen zurück zum Ursprung. Am Beispiel des „Tigerrag“ möchte ich das zeigen:

Im ersten Teil beschreibt die Musik den Jagdausflug eines indischen Fürsten auf dem

Rücken von Elefanten. Er sitz auf der Plattform unter einem Baldachin. Natürlich laufen

die Elefanten langsam durch den Wald und ihre Schritte geben den Takt der Musik an.

Der zweite Teil ist ursprünglich ein „Break-Teil“ mit Generalpausen auf die Schläge zwei

und drei in den Takten. Vielleicht beschreibt das die folgende Textform:

„Ist er hier—ist er da—ist er vielleicht--schon ganz nah’?“

„Ist er hier--ist er dort—ist er vielleicht--noch sehr weit fort?“ Dabei bleiben die Schützen

nach jedem Schritt stehen und spähen und lauschen nach dem Tiger. Nun wird der erste

Teil wiederholt. Im nächsten Teil läuft die Melodie der ersten Phrase nach oben und endet

in einem Schuß, der normalerweise mit zwei Brettchen, die man zusammenschlägt, dargestellt

wird. Das Ganze wiederholt sich. Nun schreit der getroffene Tiger. Er ist sehr groß und der

Schrei braucht seine Zeit. Bei der schnellen Interpretation könnte höchstens eine Hauskatze

bei der Geschwindigkeit der Schreifolge mithalten.  Vielleicht sollte man den „Tigerrag“ nach

der bildlichen Darstellung in der Interpretation einmal überarbeiten?

Bei der Interpretation vom „Geisterreiter“ sollte der Takt der Pferdehufe - gleichgültig ob im

Schritt, Trab oder Galopp – das Tempo angeben. Sonst kommt man sich wie in einem

überdrehten Zeichentrickfilm vor. Das gilt sinngemäß auch für „das Zigeunerlager“ zu.