Das Riemenzeug

 

Bei der näheren Betrachtung der Instrumente einer traditionellen Blaskapelle stellt man fest, daß Bauformen und Trageriemen nach den Anforderungen einer Militärkapelle entwickelt worden sind. Zur Marschmusik müssen die Instrumente (Trommeln, Becken, Tuben, Tenor- und Baritonhörner) an den Körper des Spielers gehenkt werden. Andererseits sollen die Instrumente auf Kommando mit einer Armbewegung an- oder abgesetzt werden können. Deshalb werden die großen Instrumente traditionsgemäß nur mit einem Riemen umgehenkt und nicht mit zweien wie beim Akkordeon, was vom sicheren Sitz der Instrumente und dem Behandeln der Noten her viel günstiger wäre. Veränderungen der Tradition brachten Volksfest-Umzüge in europäischen und lateinamerikanischen Ländern . Für kleine Trommeln, Tuben und Saxophone gibt es in der letzten Zeit neuartige bequemere Tragegestelle, die z.B. für Trommler die Benutzung von mehreren verschiedenen Trommeln nebeneinander gestatten. Eine Tragegestellfixierung der großen Trommel ermöglicht ein Schlagen derselben mit beiden Händen auf beide Trommelfelle von links und rechts. Damit wird der Rhythmus abwechslungsreicher als bei der einfachen Marschschritt-Synchronisation (sogen. Fünferschlag). Eine unglückliche Lösung ist der Marschnotenständer für Flötisten, weil man mit einer Hand nicht gleichzeitig die Gabel öffnen und die Noten einschieben kann.

Weniger bekannt ist heute die Blaskapelle zu Pferd. Die übliche Tubabauform ist dort ungeeignet, weil sich das Instrument auf dem Pferd vor dem Körper des Spielers auf- und niederbewegt. Die Bauformen von Helikon oder Bombardon  sind dazu besser geeignet. Das Sousaphon ist kopflastig und wird deshalb weniger für die Kavallerie als für den Fußmarsch gebraucht. Wenn man es nicht ständig mindestens mit einer Hand festhält, dreht sich das Instrument und der Trichter kippt nach einer Seite (auf dem Pferd wie beim Transport auf einem  Fahrrad ). Die beeindruckendste Figur der Kavalleriekapelle ist für mich der Pauker. Links und rechts sind am Pferd vor dem Spieler zwei Pauken befestigt. Das arme Pferd wurde über lange Zeit an den Lärm gewöhnt. In jüngerer Vergangenheit setzte man auch zwei Kesselpauken beim Platzkonzert ein.