Meine Beziehung zum Hobby Funktechnik

(Erinnerungen an Entwicklungsstufen der Technik)

 

Ich möchte mit dieser Skizze ältere OM‘s an ihr eigenes Erleben erinnern und jüngere OM‘s anregen, Fragen zu stellen.

 

Erstes Kennenlernen

Im Jahre 1936 wurde ich geboren. An unser Wohnzimmer in Leipzig kann ich mich noch bis zum Anfang des zweiten Weltkrieges zurückerinnern. Wir hatten ein Radio der Marke Graetz, einen Dreikreis-Geradeausempfänger für Mittel- und Langwelle mit den Röhren CH4, CF3, CBC1, CL4 und CY1 sowie einem Eisenurdoxwiderstand im Glasgefäß. Als Antenne benutzten wir ein Metallband, das an der oberen Tapetenkante von Bakalitisolatoren gehalten rund um das Zimmer gespannt war. Empfangen wurde meistens der Sender Leipzig, der in Wiederau bei Leipzig mit

100 kW sendete. Senden war in unserer Vorstellung immer mit derartigen Leistungen verknüpft. Bald waren an den Knöpfen unseres Radios Papierringe mit einer Aufschrift angebracht, die darauf hinwies, daß das Abhören von Feindsendern schwer bestraft wurde. Die hatte der Blockwart bei uns abgegeben, der auch das Hitlerbild im Wohnzimmer kontrollierte. Seitdem habe ich etwas gegen diktatorische Funktionäre. Gegen Ende des Jahres 1943 lief  das Radio nur noch Tag und Nacht auf der Frequenz eines der Luftschutz-Warnsender, die sich mit einem Metronomgeräusch (Leipzig) oder dem Ruf eines Kuckucks (Halle) meldeten. Um nichts zu verpassen, hatte mein Vater einen Zweitlautsprecher in der Küche angebracht. Wenn die feindlichen Bomberverbände über Hannover/Braunschweig waren, starteten wir in den Keller. Wenn sie über Leuna/Merseburg gemeldet wurden, dauerte es meistens nur wenige Minuten bis es krachte. Am Ende des Krieges versteckten wir das Radio unter den Kohlen im Keller, weil alle Rundfunkgeräte mit mehr als drei Röhren abgeliefert werden mußten.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Es war 1946 für mich eine Faszination, die Vielzahl der Sender abends auf der Mittelwelle festzustellen, wenn sie auch meist in mir unverständlichen Sprachen sendeten und sich gegenseitig mächtig störten, denn der Empfänger war breitbandig und für beste Mittelwellentonqualität in den dreißiger Jahren ausgelegt. 

 

In der Zeit, wo 1945 die Stromversorgung unterbrochen war, kramte mein Vater einen alten Detektorempfänger mit hochohmigen Kopfhörern (Permanentmagent mit Spule und Stahlblechmembrane / 2x 2kOhm) hervor. Mit Antenne und Erde konnte man den Sender Leipzig hören. Außerdem schlug der Langwellensender von Radio Moskau durch. Natürlich habe ich, nachdem unser Radio wieder lief, mit dem Detektorempfänger experimentiert. Das Gerät bestand aus einer Spule aus schwarzem Kupferlackdraht. Die Spule war etwa 10cm lang und hatte einen Durchmesser von ca. 40mm. Auf der Oberseite der Zylinderspule war in einer Spur der Lack abgeschmirgelt und mit einem Schleifer auf einer Messingstange konnte man den Schwingkreis abstimmen. Als Kapazität diente ein Glimmerkondensator von 250cm. (Zur Detektorzeit gab es die Einheit Farad noch nicht.) Unglücklicherweise habe ich das geknüllte Staniol (Zinnfolie, wie sie damals z.B. zum Einwickeln von Schokolade und Konfekt verwendet wurde) zwischen dem Bleiglanzkristall und der Halterung verständnislos entfernt und mich dann gewundert, warum ich nichts mehr gehört habe. Ein Bekannter meiner Eltern hatte ein Radiogeschäft. Den bat ich um Hilfe. Aber der hatte von Detektorempfängern auch keine Ahnung und baute mir eine Schaltung mit einem Görlersperrkreis (Parallelschwingkreis zur Dämpfung von durchschlagenden

Ortssendern) und einem Sirutor (Siemens-Rundfunkdetektor) auf. Das Gerät sagte keinen Ton, weil die Schwellspannung dieses Kupferoxydulgleichrichters zu hoch war.

 

Das Innenleben von alten Rundfunkempfängern

Da ich mich dafür interessierte, bekam ich von vielen Seiten alte (auch uralte) Radios geschenkt.

Geräte mit den Röhren RE034 und RE134 (4V direkt geheizt); solche, wo drei Röhren, Widerstände und Kondensatoren in einem Vakuumgefäß vereinigt waren (WG 33 ); Netzanoden mit Glimmgleichrichtern; Geräte mit einer Resoröhre oder einer elektromagntischen Lichtbandeinrichtung (mit Glühlampe und Zylinderlinse) als Abstimmanzeige u.a.m. waren dabei. Mit Resoröhren (Dreielektrodenglimmröhren z.B. Type RR145S) (Abb.:2) konnte man ohne zusätzliche aktive Bauelemente u. a. Spannung, Widerstände und Kondensatoren mittlerer Größe messen. Für Meßzwecke gab es extralange Resoröhren mit einer Skaleneinteilung (Deutsche Glimmlampengesellschaft Pressler Leipzig). Die ersten Radios benötigten einen 4V Bleiakku (der jede Woche einmal zum Laden weggeschafft werden mußte) für die Heizung und eine Anodenbatterie (Stapel von ca. 66...100 Stk. Kohle-Zink-Elementen, wie sie heute noch in den 9V-Blocks verwendet werden). Später wurde das Gleichstromlichtnetz für die Anodenspannung benutzt oder bei Wechselstrom eine „Netzanode” [Glimmgleichrichter (richtungsabhängige Zündspannung durch Elektrodenform); Drossel vor dem Ladekondensator (zur Strombegrenzung ), Ladekondensator (4µF Papierkondensator), Siebdrossel, Siebkondensator (wie Ladekondensator)]. In alten Geräten waren die Röhren mit Übertragern (Transformatoren mit vier Rändelmuttern zum Anschließen der Drähte) gekoppelt. Alle Arten von Lautsprechern vom Freischwinger über den elektrodynamischen Lautsprecher bis zum permanentdynamischen waren in den Geräten zu finden. In der „Deutschen Bücherei“ in Leipzig existierte in den fünfziger Jahren eine Sammlung der Schaltung aller Rundfunkempfänger, die bis dahin produziert worden waren.

 

                         

Röhren: RE034 und RE134 Heizspannung 4V; Freischwingerlautsprecher ca. 12kOhm; die Rückkopplung wird durch Schwenken der Koppelspule eingestellt.

Quelle:“Einführung in die Rundfunkempfangstechnik“ Helmut Pietsch

Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig K.-G. 1962

 

                          

     

Resoröhre RR145 S2 und Präzisionsglimmlampe UR 110

Eines Tages (etwa 1949) probierte ich einen Meißner-Oszillator mit einer REN904 (indirekt geheizt mit 4V) aus. Der HF-Träger war laut brummend (50Hz-Modulation über Netzgleichrichter) in unserem Radio auf ca. 555 kHZ zu hören. Irgendwie wurde mir klar, daß zum Senden nicht immer 100kW erforderlich sind. So schloß ich über 500pF ein Kohlemikrofon und eine ca. 5m lange Zimmerantenne an. Den Ton für das Mikrofon erzeugte ein laut tickender mechanische Wecker. Das Signal war einige Querstraßen weiter bei einem Schulkameraden deutlich zu hören. Zu sprechen trauten wir uns nicht, weil wir wußten, daß Senden streng verboten war.

 

Der erste Eigenbau eines Rundfunkempfängers

Mein erstes selbst gebautes Radio war ein Audionempfänger mit den Röhren UCL11 und UY11 und einem Görler-Spulensatz. Ein Schulkamerad mußte mir helfen, das Gerät zum Spielen zu bringen. Das Problem der Beschaffung der UCL11 hatte ich zum Deutschlandtreffen der Jugend mit 72.-M in Berlin-Neuköln gelöst. Bald wuchsen meine Ansprüche und ich baute einen 6-Kreis-Super (Hescho-Spulen- und Filtersatz) mit den Röhren UCH11,UBF11, UCL11,UM11 und UY11 sowie einem Heißleiter im Heizkreis. Die beste Musik für Halbstarke brachten damals die Sender Milano (Zeitzeichen: Nachtigallenschlag)  auf Mittelwelle und Radio Luxemburg (Ansage und Reklame auf flämisch) auf Kurzwelle. Darauf wurde das Radio getrimmt.

 

Man fragt sich, warum ich einen Allstromempfänger gebaut habe. Das ist einfach zu erklären. Gleichstromanschlüsse für Haushalte waren damals noch weit verbreitet. In der Oberschule z. B. war Gleichstromanschluß. Für einen Verstärker mit Netztrafo konnte man einen mechanischen

Zerhacker benutzen, aber damit lief der Asynchron-Motor vom Tonbandgerät wieder nicht, u.s.w..

In Ilmenau hatte man in dem Haus, wo ich wohnte, von 110 V auf 220 V  umgestellt. Das

Erdpotential lag aber bei 110V in der Mitte. Der Grund für diese Installation war ursprünglich ein

Minikraftwerk an der Ilm, was noch zu sehen war. Am schlechtesten waren die Leute dran, die nur 110V Gleichstrom hatten. In einem Gebäude der Hochschule für Elektrotechnik Ilmenau konnte man bei Stromsperre (Sparmaßnahme in den Hochbelastungszeiten zur Sicherung der Stromversorgung in den Industriebetrieben) mit 6V-Lampen vom Nulleiter gegen Erde eine Notbeleuchtung realisieren.

 

Durch Klassenkameraden erfuhr ich, daß seit 6. Februar 1953 in der DDR Amateurfunk zugelassen war und daß im Funkwerk Leipzig in der Eichstädtstraße eine Klubstation mit Ausbildung existierte. Dort machte ich mein Hörerdiplom. Ich erinnere mich an die Namen:

Herbert Trepte - DM2AEM; Heinz Hollmach - DM2ABM; Otthermann Kronjäger - DM2AKM;

Günter Neubert - DM2AIM; Martin Schurig - DM2AHM; Werner Müller - DM2ACM;

Wolfgang Nabroth - DM2ADM; Günther Klein - DM2AFM; Alfred Giese - DM2AGM;

Harry Brauer - DM2APM; Bertram Bahr - DM2AQM; Karl-Heinz Schubert und Heinrich Stötzel.

Zu Hause bastelte ich einen Audionempfänger für 80m und schloß ihn an die Tonabnehmerbuchsen meines Rundfunkempfängers an. Es war ohne Überblick und Orientierung schwer, das 80m-Band zu finden. Schließlich hat es geklappt.

Bau einer Groundplain im September 1954 in Leipzig Goethestraße 8; im weißen Kittel Werner Müller DM2ACM mit der Stange Martin Schurig DM2AHM

Anfertigung der Speiseleitung

 

 

Amateurmeßtechnik

Für die weiteren Arbeiten brauchte ich ein Dippmeter. Zu dieser Zeit war im „Funkamateur“ der „Anodendipper” modern. Ein Colpitts-Oszillator mit Steckspulen (EF80 als Triode) steuerte parallel die Gitter einer ECC 81 an. Zwischen den Anoden der ECC81  befand sich ein Spannungs-meßinstrument. In jeder Katodenleitung war ein Stück Koax-Kabel mit einer Spule am Ende  (4 Wdg./40mm Durchmesser) eingeschaltet. Das eine Kabel war im Gehäuse aufgewickelt, das andere fungierte als Tastspule. Der Dipper funktionierte auch mit Schwingquarzen. Um das Meßsignal  identifizieren zu können, ergänzte ich das Gerät später mit einem Morsetasten-anschluß und einem FM-Modulator. Für den Betrieb als Meßsender konnte man über 2 mal 500pF an die Anoden der ECC81 einen Prüfling anschließen.

                                     

 

Anodendipper  mit Steckspulen auf Europasockel

 

Zur Spannungsmessung habe ich mir einen Vielfachmesser mit einem Instrument mit 270-Grad-Skala aus Wehrmachtsbeständen (0,5 mA) gebaut. Für die Wechselspannungsmessung enthielt das Gerät einen „Maikäfer“, das ist ein Selen-Meßgleichrichter (Vollweggleichrichter).

                                                    

vorstehend beschriebenes Drehspulinstrument

                                   ein etwas größeres Drehspulinstrument ursprünglich zur Anzeige des Benzinverbrauchs im Flugzeug benutzt

 

Zum Messen kleiner Kapazitäten benutzte ich eine damals publizierte Oszillatorschaltung mit einem Schwingquarz und einem Schwingkreis. Der unbekannte Kondensator wurde parallel zum Schwingkreis geklemmt. Die Verstimmung wurde mit einem Drehkondensator kompensiert bis zum „Quarzsprung“, dem Punkt, wo die Quarzresonanz abriß. An  der Skala des Drehkondensators wurde die Kapazität des unbekannten Kondensators abgelesen. Der Quarzsprung wurde an einem Meßinstrument als Anodenstromänderung der Röhre  beobachtet.

 

Es gab nach dem Krieg Läden, die ausschließlich mit elektronischen Bauelementen aus

Wehrmachtbeständen handelten. Die bekanntesten Wehrmachtröhren sind etwa: RV12P2000 (HF/NF-Pentode auch als Lautsprecherendröhre, als Triode, HF-Diode und als Netzgleichrichter verwendbar); RV12P2001 (HF-Regelpentode); RV12P10 (Lautsprecherendstufe); RV12P35 (HF/NF-Leistungspentode); RV12P50 (Sendepentode); RV2,4P700 (Batterieröhre); und RV12P4000 (HF-Verstärker).

 

             Taschenempfänger mit hochohmigem Kopfhörer; Speisung aus 4 Flachbatterien

Quelle: RIM Bastel-Jahrbuch 1953        Radio-RIM GmbH München

 

                      

 

Quelle: „RV12P2000“ Deutscher Funk-Verlag GmbH Berlin 1946

 

 

Sechs-Kreis-Super für Kurz-,Mittel- und Langwelle mit den Röhren: Rö1, Rö2 und Rö3 RV12P2001; Rö2 RV12P2000; Rö4 RG12D2; Rö6 RL12P10; Rö7 1064; elektrodynamischer Lautsprecher

Quelle: „7 erprobte Schaltungen“ Deutscher Funk-Verlag GmbH Berlin ca. 1947

 

Nur einen Leuchtquarz habe ich mit meinen Mitteln bis jetzt nicht zum Leuchten gebracht. Das Bauelement ist in einem Gehäuse, das einer amerikanischen Stahlröhre (z.B. 6SN7) gleicht. An der Stirnseite ist ein Glasfenster, durch das man den quaderförmigen Quarz sieht, der auf beiden Seiten in quadratischen Löchern der Haltebleche

gelagert ist. Ich nehme an, daß das Gehäuse mit Gas gefüllt ist, so daß bei bestimmten Spannungswerten und bei Resonanz des Quarzes ein Glimmlicht zu sehen ist. Auf diese Weise erkannte man beim Abstimmen des VFO in einem Sender, daß man eine vorgewählte Frequenz erreicht hatte.

 

                                    

 

Leuchtquarz, Frontansicht

                                             Schwingquarze von damals

                                      

 

 Mit Thermokreuzen in Glasgefäßen , die ich geschenkt bekommen hatte, (derjenige, der sie beim Aufräumen in einem Industriegelände [HASAG/Leipzig Heiterblick] gefunden hatte, kannte die Bauelemente nicht) wußte ich damals nichts anzufangen. Von der Wehrmachte stammte auch eine Oszillographenröhre LB1. Der Glaskolben war in einen Metallzylinder eingekittet und ein hochklappbarer Griff sorgte dafür, daß die Röhre gewechselt werden konnte ohne das Oszilloskop zu öffnen. Die erste Ablenkung in einem NF-Oszilloskop mit dieser Röhre wurde mit einem Glimmlampenkippgerät mit der UR110 realisiert. Die vertikale Auslenkung wurde mit RC-Kopplung von der Lautsprecherröhre eines Rundfunkempfängers abgenommen. (Wenn die Röhre auch sonst nur für symmetrischen Betrieb ausgelegt war.)

 

Fuchsjagdempfänger und Einführung des UKW-Rundfunks

Ich erinnere mich auch an den Bau von Fuchsjagdempfängern (1V2) mit einem kreisrundgebogenen Aluminiumrohr als Peilrahmen, in dem 4 Windungen YG-Draht als Rahmenspule eingezogen worden waren. Eine isoliert angebrachte Stabantenne wurde über ein 10 kOhm- Potentiometer an den Schwingkreis angeschlossen, um die Richtcharakteristik einer Kardioide zu erzeugen. Damit sind wir dann durch die Jenaer Berge gerannt. Karl Rothammel - DM2ABK (Seine Lizenzierung wurde im Mitteilungsblatt für Kurzwellenamateure 3/4 März/April 1954 S.15 mitgeteilt) gehörte mit zu den Veranstaltern und zeigte uns, daß man auch mit der Autohupe durch Morsezeichen Nachrichten übermitteln konnte, um jemanden aus dem Gelände zurückzurufen (hi).   

                                   

 

Fuchsjagd in Jena ca. 1958, im Vordergrund liegend der Operator vor dem NC-Akku und dem Sender

                                                 

Auf der Fuchsjagd Helmut Syptroth, DM2AHK

und

                                 Der Autor

 

Mit der Einführung des UKW-Radios und des Fernsehens wurde der Frequenzbereich von 60 bis 100 MHz interessant. In der „radio und fernsehen“ 4/57 wurde ein UKW-Detektor-Empfänger beschrieben. Die ersten Versuche wurden mit einem Pendelempfänger mit der ECC81 und einem Schalkau-Split-Drehko gemacht. Es machte Spaß, den Fernsehton (Band I ) und die UKW-Sender zu empfangen. Als Antenne benutzte ich eine 300-Ohm-Bandkabelanordnung, die am Fenster aufgespannt war. Ich erinnere mich an die erste Bauanleitung eines Schwarz-Weiß-Fernsehempfängers mit einer Oszillografenröhre (DG16) in der Literatur. Es war ein Geradeausempfänger mit dreimal EF80 und mit zweimal 6SN7 zur Ablenkung. Der Bildkipp war 50Hz synchronisiert. Nur die Synchronisation vom Zeilenkipp wurde vom Videosignal genommen.

 

Selbstverständlich habe ich auch UKW-Super mit einem fertiggekauften Tuner und Neumann-Bandfiltern gebaut und Verstärker dazu mit zweimal EL84 in der Endstufe. Die ersten UKW-Sendungen mit einem Frequenzhub von + 150 kHz  (z.B. vom Bayerischen Rundfunk) brachten

eine sagenhafte Dynamik und Störfreiheit. Später wurde der maximale Hub auf  + 75 kHz reduziert,

weil die Kanäle auf dem Band nicht ausreichten.

 

Ein Schulkamerad hatte einen Wehrmachtsempfänger „Cäsar” für Mittelwelle und Langwelle aufgetrieben. Das Gerät war mit DCH11, DF11, DAF11 und DL11 bestückt und benötigte eine Heizbatterie (2,4V-NC-Akku) und eine Anodenbatterie. Die flexible Stabantenne wurde aufgesteckt. (Übrigens an der Bauart dieser Stahlbandantennen hat sich beim Militär bis heute nichts geändert.) Die schüttelfeste Abstimmung erfolgte induktiv. Dafür war die Mittelwelle in zwei Bereiche aufgeteilt. Dieses „schnurlose” Radio erregte überall Aufsehen zu einer Zeit, wo die Industrie noch keine „Kofferradios” produzierte. Die Dimensionierung des Heizkreises von Batterieröhren (direkt geheizt!) war ein Problem, weil die speziell erforderlichen

Gittervorspannungen erreicht werden mußten.

 

Erste Amateurfunkstationen

Ein Amateurfunkereignis war es auch, als ein Studienkollege in einem Keller seiner Wirtsleute einen Wehrmachtsempfänger „Kölln” fand. Mit einem von ihm dafür gebauten Netzgerät nahm er den Empfänger in Betrieb. Die DX-Leistungsfähigkeit (USA auf 80m) versetzte alle in Erstaunen. Auch die Druckgußkonstruktion mit den in die Kammern versenkten RV12P2000 war beeindruckend ebenso wie der in die Kammern integrierte Drehkondensator. Als der Besitzer eine Privatlizenz bekam, baute er einen 25W-Sender mit der RV12P35 „ECO solo” (!) für CW dazu.

Das war zu der Zeit, als die Sender noch auf die Empfangsfrequenz „eingepfiffen“ werden mußten

und nach dem Leuchten einer Glühlampe in der Antennenzuleitung abgestimmt wurden. In der Nähe der mit 1...1,5 kV betriebenen Endstufen brannten Glimmlampen und Leuchtstoffröhren. In „Mitteilungen für Kurzwellenamateure“ habe ich neben einem Belichtungsmesser zur Messung des HF-Stromes durch eine Glühlampe ein Fettfleckfotometer gefunden: Neben der Glühlampe in der Antennenleitung wird eine zweite mit gleichen Daten montiert und einstellbar mit 50Hz gespeist. Zwischen beiden Lampen befindet sich ein Blatt Papier mit einem Fettfleck. Wenn die 50Hz-Glühlampe so eingestellt wird, daß der Fettfleck nicht mehr zu sehen ist, ist die Helligkeit beider Glühlampen gleich. Nun braucht man auf der 50Hz-Seite nur noch den Lampenstrom und  -span-nung zu messen. 

 

Zum Selbstbauen war damals ein Super mit einem Görler-Spulenrevolver, HF-Vorstufe und ZF-Vierkreisfilter die Spitze. Dieser Spulensatz überstrich u.a. die Amateurfunkbänder 80m, 40m und 20m. Das Meiste war zu dieser Zeit in AM auf dem 80m-Band los. Und das war nur auf wenigen Rundfunkgeräten drauf.

40W-Kurzwellensender nach UA3JG für 160m, 80m, 40m und 20m

Röhren: 2x 6N1P (ECC81), GU50  (LS50) und SG1P (GR150DA) [D1 auf 3,5MHz abstimmen]

Quelle: Mitteilungen für Kurzwellen-Amateure Nr.4 April 1955

 

Die ersten Transistoren

Mit den ersten Germaniumflächentransistoren (Die Spitzentransistoren stellten nur die Demonstration dar, daß „es geht“) begann auch das Transistor-Basteln. Das erste Gerät war ein Geradeausempfänger. Ein Schwingkreis mit Antennenankopplungsspule und Diodenspule mit angeschlossenem vierstufigen NF-Verstärker waren in eine Schachtel montiert worden. Um etwas zu hören, mußten zwei Jungen einen 10m langen Draht als Antenne hinterher tragen (hi). Das nächste Gerät hatte schon ein Transistoraudion und einen Ferritstab. Es spielte auch in der Eisenbahn. Nur in der Nähe von St. Egidien über Nickelerzadern war kurz Funkstille. Das Transistoraudion funktionierte auch auf dem 80m-Band. Je schlechter der Transistor war, d.h. je niedriger die Schwingungsamplitude war, desto besser wurde die Schaltung durch Mitzieheffekte von den empfangenen Sendern synchronisiert. Deshalb gab es keine Abstimmprobleme. Bei SSB-Sendern funktioniert das Audion wie ein Direktmischer. Bald war es keine Schwierigkeit mehr, Überlagerungsempfänger mit Transistoren zu bauen. Ich hatte oft nicht den rechten Antrieb, die Versuchsschaltungen noch einmal dauerhaft aufzubauen und ein Gehäuse dazu herzustellen. Deshalb ist auch nicht viel davon übriggeblieben. Die handelsüblichen Geräte waren  besser. Mein erster tragbarer „Allwellenempfänger“ nach 1990 war der Panasonic RF-B45. Anhand der Service-Anleitung konnte man die Bauelemente für einen Antennenaußenanschluß nachrüsten. Der Empfang mit Langdrahtantenne war aber nur mit einem getrennten Präselektor brauchbar. So konnte ich u.a. auf einer Decke in der Sonne liegend mit Ohrhörern 40m hören. (Als Antenne hatte ich 10m Draht über Büsche geworfen.) Mein nächster Empfänger war ein Sangean ATS 909. Das Gerät eignet sich als Empfänger für eine tragbare QRP-Station, die ich geplant habe.

 

Ich bedauere es sehr, daß heute so wenig selbst gebaut wird, und daß der Erwerb der Fertigkeit mit

Elektronikschaltungen umzugehen, wenig gefördert wird. Aber erst das Ausprobieren von

 selbstgebauten Anordnungen verleiht dem Amateurfunk seinen Reiz. Deshalb wird das auch immer als fester Bestandteil des Amateurfunks genannt und ist im Amateurfunkgesetz verankert. Der Selbstbau von Kurzwellen-QRP-Geräten ist heute ein interessantes Betätigungsfeld für Bastler.

 

 

Ich würde mich freuen, wenn andere OM‘s  das Thema Geschichte der Funkelektronik aufgreifen und über ihr Erleben berichten. Es ist zu erwarten, daß dabei noch einige interessante Einzelheiten vor dem Vergessen bewart bleiben.

 

Ralf Riebel , DL1TRR