Über „sinfonische Blasmusik“

 

Meist spielt man sinfonische Blasmusik mit Kammermusikcharakter nur mit sinfonischen Instrumenten. Dazu zählen:

 

Piccolo-Trompete in B (4 Ventile)

Trompete in B ( 4 Ventile)

Waldhorn in B; Es oder F (oft Doppelhörner)

Altposaune in F

Tenorposaune in B mit Quartventil

Baßposaune in B mit 2 Ventilen

Baßtuba in F mit 6 Ventilen

 

Instrumente aus den drei Familien der Holzblasinstrumente (Flöten, Rohrblatt- und Doppelrohrblatt-Instrumente) können zur Ergänzung hinzugefügt werden.

 

Ungeeignet sind:

Kornett in B oder hoch-Es

Sopranhorn (Flügelhorn, ital. Flicorno) in B ( 3 Ventile)

Althorn in Es (3 Ventile)

Mellophonium in Es (F) (3 Ventile)

Tenorhorn in B (3 Ventile)

Baritonhorn oder Euphonium in B (4 Ventile)

(und Varianten mit größerem Trichter und dickerem Rohr z. B. „Bellfront Bariton“)

Baßtuba in B oder Es (F) (3 bis 4 Ventile)

Helikon in B oder Es (F) (3 bis 4 Ventile)

Bombardon in B, oder Es (F) (3 Ventile)

Sousaphon in B oder Es (F) (3Ventile)

 

U. a. in Tschechien wurden vor ca. 100 Jahren die vorstehenden Instrumente in B und Es auch in C und F gestimmt verwendet.

 

Diese Instrumente haben

- wegen der Differenz zwischen den Tönen der Naturtonreihe und denen der temperierten   

   Stimmung

- sowie der Nutzung der Ventile in Verbindung mit Naturobertönen

- und ungeeigneter Kombination zweier oder dreier Ventile

unzulässige Fehler.

 

Eine große Differenz in der Tonhöhe ist z.B. beim (Klang-)F auf dem Tenorhorn und dem (Klang-)F auf dem Althorn (gegriffen mit dem ersten und dritten Ventil) vorhanden. Das Gleiche gilt für B- und Es-Tuben.

Trompeten lassen sich in Grenzen mit der Mundstellung und einem Posaunenzug am dritten Ventil korrigieren, Waldhörner durch Stopfen mit der Hand, Posaunen mit dem Zug und Tuben durch eine größere Zahl von Ventilen.

Man findet in Sinfonieorchestern, Theaterorchestern und Tanzorchestern (Big Bands) keine Tenorhörner oder Baritonhörner (von der Wagner-Tuba, einer Art Baritonhorn, abgesehen).

Die mathematische Begründung dazu findet man in dem vorstehenden Aufsatz „Grifftabelle für Trompete“.

 

Mit den oben aufgezählten Instrumenten von Kornett bis Sousaphon in volkstümlichen Blasorchestern und Militärorchestern werden Volksmusik, Marschmusik und Platzkonzerte (Estradenkonzerte) gemacht. Man benutzt den Begriff „sinfonische Blasmusik“, um die Erinnerung an die Estradenmusik* zu vermeiden. Aber auch die „Brass Band Schweizer Armeespiel“ (Swiss Army Brass Band; Fanfare D’ Armee Suisse) bietet „Symphony in Brass“ an.

 

Am 25.03.2007 zeigte der SWR im Abendprogramm ein Jugendorchester aus der Nähe von Basel ohne Flügelhörner, Althörner, Tenor- oder Baritonhörner sondern in einer Besetzung mit Flöten, Klarinetten, Bassklarinetten, Alt- und Tenorsaxophonen, Trompeten, Waldhörnern, Fagotten, Posaunen und Tuben. Damit wurde die Tradition der Übernahme der Militärorchesterbesetzung gebrochen.

 

Leider sind in den meisten Orchestern die Waldhörner ausgestorben, weil diese ausschließlich für den Nachschlag eingesetzt worden sind. Die zweite und dritte Stimme Tenorhorn möchte aus dem gleichen Grund niemand gern spielen. Arrangeure setzen deshalb für den Nachschlag gegenwärtig Posaunen und Trompeten ein (besonders in der volkstümlichen tschechischen Blasmusik). 

 

 

Ralf Riebel

 

*Estrada ist ein spanisches Lehnwort (estrado = Podium) im Russischen ( estrada = Kleinkunstbühne) und wurde als Attribut sehr großer Militärorchester („bolschoi estradnij orkestr“ entsprechend Stalin’scher Gigantomanie) gebraucht.