Grifftabelle für Trompeten, Hörner und Tuben



Die nachfolgende Grifftabelle ist nicht neu. Sie ist die Grundlage für die Dimensionierung der o. g.

Instrumente und damit allen Fachleuten der künstlerischen und technischen Seite gut bekannt. Es gibt

aber eine große Zahl von Musikanten, die keinen Überblick über die möglichen Griffe und deren

Einschätzung haben. Denen sei mit der nachstehenden Tabelle eine Unterstützung gegeben.

Es wird vorausgesetzt, daß das zweite Ventil den Grundton um einen halben Ton, das erste Ventil

diesen Ton um genau einen Ton, das dritte Ventil den genannten Ton um drei halbe Töne und das

vierte Ventil denselben um fünf halbe Töne nach unten verschiebt.

Tonleitern und Stimmungen

Geht man vom Kammerton A = 440 Hz und betrachtet diesen als Terz oder Dezime in der

F-dur-Tonreihe, ergibt sich durch Teilen durch 10 der Basiston F = 44 Hz. Die 8. bis 16. Oberwelle

(d. h. 8- bis 16-fache Frequenz) bilden die F-dur-Tonreihe einschließlich der verminderten Septime.

Diese Naturtonreihe unterscheidet sich von den 12 Tönen einer Oktave in der mathematisch exakten

gleichtemperierten Stimmung, wo jeder Ton Grundton einer Dur- oder Moll-Tonart sein kann, ohne

daß sich die übrigen Töne ändern.

Naturtonreihe 

 

 

 

Fanfaren mit engen Rohren und kleinen Mündstücken, wie sie in Museen zu finden sind, kommen für

diese Tonleiter ohne Ventile aus. Barockinstrumente benutzen für die Festlegung der Länge der

Ventilbögen diese Naturtonreihe. Für die Darstellung der Abweichung der gleichbenannten Töne in

den verschiedenen Naturtonreihen steht nachfolgend die B-dur-Naturtonreihe, die auf dem Ton B aus

der F-dur-Tonreihe aufbaut, zum Vergleich mit der F-dur-Naturtonreihe.

 

 

Die Übereinstimmung der gleichbezeichneten Töne in den einzelnen Dur- und Moll- Tonarten wird

durch die gleichtemperierte Stimmung erreicht. Die Töne errechnen sich dadurch, daß man den

Kammerton A = 440 Hz n mal mit zwölfter Wurzel von 2 multipliziert oder dividiert, wobei n ganze

Zahlen von 1 bis zu einem sinnvollen Maximalwert darstellt. Nach zwölf Halbtönen ist die Oktave als

die zweifache Frequenz erreicht.

Oktave in der gleichtemperierten Stimmung 

 

 

Mit einem zehnstelligen Taschenrechner ergibt sich von c1 nach c2 ein Fehler von zwei Einheiten in

der siebenten Stelle nach dem Komma.

Trompeten haben zwei Fehlerquellen :

1. Die Abweichung von der gleichtemperierten Stimmung durch Anblasen von Quinten, Dezimen 

               und verminderten Septimen (Naturtöne)

2. Die Kombination von Ventilen

Der Vergleich der Naturtonreihen zeigt den Nachteil (Naturtöne bei Fehler 1) beim Zusammenspiel

von Trompeten  und Hörnern verschiedener Stimmung z. B. B, C, Es und F.

Das zweite Ventil (B-Trompete) ist zur Erzeugung von H auf der Grundlage der Rohrlänge C

dimensioniert. Ist das erste Ventil gedrückt und man möchte mit dem zweiten Ventil den Ton um einen

weiteren Halbton (von B auf A ) absenken, ist dazu der Bogen des zweiten Ventils zu kurz. Die

Bogenlänge des zweiten Ventils müßte sich nun auf die Rohrlänge einschließlich des ersten Ventils

beziehen. Der Ton ist also zu hoch. Ein bekanntes demonstratives Beispiel dazu ist der Ton D

erzeugt mit dem ersten und dritten Ventil als Quinte von G. Eine Trompete müßte exakterweise 11

Ventile haben. Es sind F-Tuben mit bis zu 6 Ventilen bekannt. Instrumentenhersteller versuchen

diese Nachteile teilweise durch eine Korrekturmechanik (Posaunenzug = tuning slide oder

Kompensationsautomatik bei Perinetventilen – siehe dort unter „Alle News seit 99“) zu kompensieren.

Als Regel gilt: Vierventilige Instrumente sind dreiventiligen vorzuziehen. Ventilkombinationen z. B.

1. und 2. Ventil oder 1. und 3. Ventil sind, wo es möglich ist, zu vermeiden.

In der nachfolgen Tabelle („vollständige errechnete Tabelle“) werden die griffentsprechenden Töne

mit den Frequenzen der gleichtemperierten Stimmung verglichen.

Die Physik der Trompete

Die Trompete besteht aus zwei getrennten aber definiert miteinander gekoppelten Teilen, dem

Oszillator und dem Resonator.Den Oszillator (Schwingungserzeuger) bildet das Mundstück

zusammen mit den im Luftstrom schwingenden Lippenteilen. Er ist über eine Bohrung, die einen

definierten Koppelwiderstand darstellt, an den Resonator angekoppelt. Im Oszillator wird eine nicht

sinusförmige d.h. obertonreiche Schwingung erzeugt, die im Resonator klanglich gefiltert wird. Dabei

synchronisiert der Resonator in einem bestimmten Bereich den Oszillator. Die Bohrung im Mundstück

ist nicht nur für eine optimale Energieübertragung sondern auch für den Grad der Filterung maßgebend.

Ist die Bohrung zu groß, wird der Resonator bedämpft und der Ton klingt rau und unscharf . Die

Resonanzkurve des Resonators ist breiter und die Tonhöhenänderungsmöglichkeit mit den Lippen

ist größer. Man hört praktisch "das Mundstückgeräusch" . Wenn die Bohrung zu klein ist, klingt der

Ton schwach und dünn. Auch ist der Synchronisationseffekt geringer. Geräuschähnliche Zwischentöne

sind möglich. Für eine optimale Energieübertragung spielt natürlich die Kesselgröße des Mundstücks

in Verbindung mit der Bohrung eine Rolle. Es gibt für jede Trompete das empirisch vom Hersteller

ermittelte optimale Mundstück. Man sollte die Lippen an das jeweilige Mundstück gewöhnen und

nicht versuchen mit einem Mundstück an das man sich bereits gewöhnt hat, verschiedene Instrumente

zu spielen. Es ist unzweckmäßig, ein Instrument, das man beurteilen will, mit einem "mitgebrachten"

Mundstück anzublasen. Für den Klang und den Wellenwiderstand der Trompete spielt nicht nur die

Länge der schwingenden Luftsäule eine Rolle sondern auch Rohrdurchmesser und Verlauf der Rohr-

erweiterung (Flügelhorn), Trichterform und -größe (Waldhorn) sowie die Materialdicke, Elastizität und

Beschichtung. Die Materialbewegung durch die Schwingungen verursachen über eine lange Nutzungs-

dauer im Material eine Strukturveränderung. Die feinen Kristalle schließen sich zu größeren zusammen.

Das Material rekristallisiert. Im Extremfall reißt das Metall an solchen Stellen (Schwingungsbäuchen).

Durch Glühen kann das "verblasene" Instrument u.U. repariert werden.

Die Fixierung von Hörnern und Tuben am Körper

Wenn es nicht wie im Militärorchester erforderlich ist, das Instrument auf Befehl mit einer Arm-

bewegung abzulegen, ist es von Vorteil einen langen Riemen mit einer Schnalle in einem Bogen durch

beide Ösen am Instrument zu ziehen. Man kann jetzt das Tenorhorn oder die Tuba wie ein Akkordeon

mit dem Riemen über beide Schultern tragen. Damit ist das Instrument im Sitzen, Stehen oder Laufen

besser am Körper fixiert. Außerdem kann man dann leichter eine sechsventilige F-Tuba spielen, weil

deren Gewicht nicht mehr mit den Händen gehalten werden muß. Es ist beim Laufen bei vierventiligen

Instrumenten möglich, u. U. mit einer Hand zu spielen und mit der anderen die Noten zu halten oder

umzublättern.

Die Nachfolgende Tabelle ("Grifftabelle im Überblick") gibt einen Überblick über die günstigsten Griffe

für ein B-Instrument mit C- oder B-Notierung zur Einordnung in die gleichtemperierte Stimmung. Sie

gilt nicht für voll kompensierte Instrumente wie die Tuba „BE983 Sovreign Tuba“.

             
 

 

 Grifftabelle im Überblick  

 vollständige errechnete Tabelle  

 Tubavergleichstabelle  


Rechengang    

 

Zusammenfassung

Aus den vorstehenden Tabellen sollte man den Schluß ziehen:

 

Ventilkombinationen 1. mit dem 2. und 1. mit dem 3. sollte man in der unteren Oktave vermeiden.

 

  1. Hersteller sollten Trompeten, Hörner und Tuben mit mindestens 4 Ventilen herstellen

 

  1. Euphonium und F-Tuba sollten mit 6 Ventilen ausgestattet werden.

 

  Beispiel    V. F. Cerveny F-Tuba     CFB 661-6

 

p.s. Wenn man die Entwicklung der Trompeten und Hörner aus Signalinstrumenten ohne Ventile

betrachtet, ist es erklärlich, daß die Instrumente von Postkutscher,    Feuerwehrmann, Nachtwächter,

Jäger, Herold oder Soldaten mit einer Hand gehalten werden mußten. In der anderen Hand hielt man

ein Flagge, eine Waffe, ein Werkzeug oder die Zügel. Mehr als drei Finger standen zur Betätigung der

Ventile nicht zur Verfügung. Ab vier Ventilen muß man das Instrument mit beiden Händen halten.